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Was bedeutet Frau sein? Gedanken einer Frau. | Internationaler Frauentag

Was bedeutet Frau sein? Gedanken einer Frau. | Internationaler Frauentag

Der 08.März ist der offizielle internationale Frauentag.

Schon mehr als 100 Jahren wird dieser Tag genutzt, um auf Frauenrechte, die Gleichstellung der Geschlechter und die noch immer bestehenden Diskriminierungen aufmerksam zu machen.

Die Geschichte dahinter ist sehr wichtig und relevant, aber ich denke, dass genügend andere bereits darüber geschrieben haben. Ich möchte nicht einfach nur wiedergeben, was ich selbst auch nur aus anderen Quellen zusammengesucht habe. Ich möchte stattdessen viel lieber diesen Tag nutzen und mir die Frage stellen:

Was bedeutet Frau sein?

Diese Frage ist natürlich nicht pauschal und erst recht nicht von mir alleine zu beantworten.

Zum Glück besteht unser Team aus vielen wunderbaren Frauen, denen ich diese Frage ebenfalls stellen werde. Die Antworten dazu, findet ihr weiter unten.

Was also bedeutet für mich Frau sein?

Ich bin eher untypisch "mädchenhaft" aufgewachsen. In meiner Kindheit und Teenagerzeit hatte ich ein merkwürdiges Verhältnis zu dem Weiblich sein.
Meine Mutter hat vieles abgelehnt, was man als typisch weiblich in unserer Gesellschaft ansieht. Kleider, Röcke, Schleifen, Ohrringe, die Farbe Rosa. All diese Dinge musste sie früher als Kind tragen, obwohl ihr das nicht gefiel. Aus diesem Grund wollte sie mir diese Dinge nicht aufzwingen. Meine ersten Ohrlöcher habe ich mit 6 Jahren gestochen bekommen, weil mein Vater sich ein Ohrring stechen lassen wollte und mich fragte, ob ich ebenfalls welche möchte. Meine Mutter war damals darüber nicht sehr begeistert. Lange Zeit habe ich weiblich gelesene Dinge abgelehnt. Weil mir durch die Gesellschaft suggeriert wurde, dass Weiblichkeit etwas negatives ist. Aussagen wie: "Du bist nicht wie die anderen Frauen" sind zutiefst misogyn und leider bin ich als Teenager auch darauf reingefallen. Ich habe, Kleider, Röcke, die Farbe Rosa und vieles andere abgelehnt und so getan, als wäre das nicht mein Geschmack.

Heute weiß ich, dass das sehr wohl genau mein Geschmack ist. Ich liebe es Kleider und Röcke zu tragen. Ich liebe Schmuck und meine Ohrlöcher und habe mir später noch drei weitere stechen lassen. Ich schminke mich gerne und liebe meine Skin Care Routine. Ich koche und backe gerne für meine Liebsten. Ich mag die Farbe Rosa und steh auch total auf Romantik. Kitschige Liebesgeschichten sind voll mein Ding und "Der Teufel trägt Prada" war auch schon früher einer meiner Lieblingsfilme, obwohl ich es damals noch nicht offen zugeben wollte.

Gleichzeitig spiele ich aber auch unfassbar gerne Videospiele und bin ein Fan von dem Marvel Universum. Außerdem kann ich jegliches Möbelstück im Alleingang aufbauen, Lampen installieren oder Toilettensitze montieren. Also typische Fähigkeiten und Interessen die eher als stereotypisch männlich angesehen werden. Letztendlich bin ich ein Individuum, was viele Interessen und Facetten hat, die man in die unterschiedlichsten Schubladen kategorisieren kann, aber eine alleine reicht nicht aus.

Nun kommen wir erst einmal zu den Gedanken und Antworten meiner geschätzten Kolleginnen auf die Frage: Was bedeutet Frau sein?

 

"Verschiedenste Gefühlsphasen erleben zu dürfen, sowohl im positiven, als auch negativen Sinne und die engste Verbindung zu einem anderen Menschen erfahren zu können, die es gibt (Mutterschaft)." - Anonym

 

"Ich bin stolz, eine Frau zu sein. Unsere Besonderheit liegt für mich in einer gewissen Feinfühligkeit, die uns die Welt bewusster wahrnehmen lässt. Am meisten bin ich dankbar für die Fähigkeit, Mutter zu sein. Seit letztem Jahr habe ich eine Tochter und sie gibt mir täglich den Ansporn, stärker, sanfter und geduldiger zu sein. Wenn sie älter ist, wird sie erkennen: Abgesehen davon, dass wir Kinder gebären können, gibt es keinen Unterschied, nicht bei Träumen, nicht beim eigenen Wert." - Isabell

 

"Frau sein bedeutet für mich, jeden Tag für sich einzustehen in einer Welt, die für Männer gemacht wurde. Dazu gehört, dass man sich von aufgedrückten Rollenbildern löst und sich selbst so findet, wie man wirklich ist - egal, ob es typisch feminin ist oder nicht." - Ana

 

"Um ehrlich zu sein, ist die aktuelle Frauensituation nach wie vor nicht die einfachste, wir haben einfach nur Glück, in der einigermaßen "richtigen" Gesellschaft geboren zu sein. Trotzdem will ich hier keine Frauenrechtsabhandlung schreiben, sondern betone einfach mal einiges Positives in Kurzform:
Frau sein - schön sein
Frauen verbinden -harmonisieren - sind stark und lebensspendend
Frauen sind sinnlich - begehrt - stolz
Frauen sind das Leben - es ist an der Zeit uns ein bisschen mehr zu feiern" - Anja

 

Vielen Dank an meine lieben Kolleginnen, dass sie sich die Zeit genommen haben, für die Beantwortung der Frage und dass ihr euch alle so darüber gefreut habt.

 

Ich selbst habe die Frage immer noch nicht wirklich beantwortet. Was bedeutet es denn nun für mich eine Frau zu sein?

Leider ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Was ich aber eindeutig beantworten kann, ist, dass für mich Frau sein nicht bedeutet, dass man automatisch "typisch weibliche" Dinge gut finden muss. Für mich bedeutet Frau sein auch nicht, unbedingt Kinder zu bekommen und Mutter werden zu müssen. Ebenso wenig gehören Frauen in die Küche und müssen gerne kochen oder backen. Zum Glück haben wir hier das Privileg uns frei für diese Dinge entscheiden zu können und werden nicht dazu gezwungen. Auch wenn der Status quo noch nicht ideal ist und wir diesen beschützen müssen, können wir uns für beide Seiten entscheiden. Wir können uns für weiblich angesehene Interessen entscheiden, wir können uns für die Mutterschaft entscheiden, wir können uns aber auch dagegen entscheiden, wenn wir das wollen.

Für mich machen all diese, von der Gesellschaft als weiblich gelesenen Dinge und Eigenschaften, eine Frau nicht automatisch zu einer Frau. Ein Frau zu sein bedeutet in meinen Augen so viel mehr. Für mein "Frausein", gehört es zum Beispiel dazu, mir meiner internalisierten Misogynie immer wieder bewusst zu werden und dieser entgegenzusteuern und sie Stück für Stück abzulegen. Zu meinem "Frausein" gehört auch dazu, dass ich stolz darauf bin, selbstbewusst hinter meinen Interessen und Vorlieben zu stehen, egal ob sie "typisch weiblich" sind oder nicht. Denn ich verbinde diese Interessen und Vorlieben nicht mit etwas negativen. Für mich ist Weiblichkeit und weiblich sein nichts negatives. Zumindest nicht mehr. Ich musste auch erst an diesen Punkt kommen, aber jetzt verteidige ich diesen Standpunkt mit all meinem "Frausein".

Ich wünsche allen Frauen auf dieser Welt einen wundervollen Frauentag und mögen auch die anderen Tage in diesem Jahr euch viel Glück und Freude bringen.

 

Nancy Schneidereve in paradise

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